Ich habe heute sowohl mich auf- als auch meine Dreckwäsche zusammengerafft und habe uns in die Wäscherei meines Vertrauens geschleppt.

Der Verein wäre für gewisse WG-Mitbewohnerinnen, die täglich waschen müssen, um ihren horrenden Verbrauch an Kleidung zu decken, sicherlich auf Dauer zu teuer - eine Wäschetrommel voll kostet 3 EUR, zwölf Minuten Trockner einen weiteren Euro - aber für Schmutzfinke wie mich, die sich bemühen, nur alle anderthalb bis zwei Wochen eine Maschine voll zu bekommen, reicht es völlig aus.

Die Bedienung ist immer besonders freundlich zu mir. Wahrscheinlich hat sie noch immer nicht vergessen, wie ich sie beim ersten Besuch um eine Einführung in die technischen Mysterien der Bedienung einer Miele gebeten hatte.

Nichtsdestotrotz empfinde ich Waschsalons als etwas unangenehmes, was in der Hasshierarchie der Haushaltstätigkeiten nur noch vom Staubsaugen getoppt wird (dazu vielleicht ein andern Mal mehr). Solche Salons sind laut, es läuft MTV auf einem Fernseher und meist herrscht eine erhöhte Luftfeuchte. Und erst diese merkwürdigen Leute, die da waschen!

Ein älterer Herr in Hemd und schwarzem Anzug, bei dem ich den Eindruck hatte, er kleidet sich auch so zum Brötchen holen und Müll rausbringen.

Eine mittelalte Dame, die mich die volle Zeit, die ich da saß, misstrauisch beäugt hat. Vermutlich hatte sie mein Hinüberschauen zu meiner Wäschetrommel missgedeutet und auf sich bezogen und rechnete damit, dass ich sie jeden Moment hinter die Trockner zerren und vergewaltigen wollte.

Von dem Mittzwanziger mit Rastalook und schmutzigen Boxershorts will ich gar nicht erst anfangen. Vermutlich hat jeder Waschsalon so einen irgendwo rumlaufen.

Wenigstens ist meine Wäsche wieder sauber. Sie riecht nicht hinreissend, sie ist nicht gebügelt und nicht alle Teile sind schon wieder trocken… aber wenigstens habe ich meine zweiwöchentliche Dosis Freakness intus.

Waschsalonwesen… absurde Existenzen, allesamt!

Heute zur Abwechslung mal was anspruchsvolles.

Fast gefastet.

Juni 29, 2008

Pünktlich zum Ende der Arbeit soll man sich ja auch mal was gönnen. Ein leckeres Pfund Butter. Eine Karte für “The happening”. Oder eine ordentliche Gonorrhöe.

Benny und ich haben uns kollektiv gegen oben genanntes entschieden (Laktose, mieser Film, Penicillin) und fuhren Samstag gen Norden in ein schickes Kleinstädtchen namens Hörstel, um dort zusammen mit Teilen seiner Familie zu fasten.

Konkreterweise fasteten wir nicht. Während die anderen Gläser mit Heilerde-Wasser-Gemischen runterwürgten oder nur Tee zum Abendessen bekamen, arbeiteten wir uns durch handgearbeitete Salate, Könerbrote und köstliche Aufstriche, um als Abschluss heute mittag nebst Salat eine Art überbackenen Kartoffelauflauf vorgesetzt zu bekommen, dem als Beilage Wurzelgemüse und Broccoli folgte. Unaussprechlich: unser Verzücken und der Faster Entrüstung.

Ich habe irgendwann den Blick nicht mehr vom Teller gewandt, weil ich das halbe Dutzend Augen in meinem Rücken spürte, die sich hineinzubohren versuchten und mich als willensschwachen und inkonsequenten Wüstling aus dem Esszimmer zu scheuchen versuchten.

Nebenher standen Radtouren, Wanderungen und Kartenspiele auf dem Programm, ich habe mir einen ordentlichen Sonnenbrand geholt, der die EM-Gucker im Zug dazu veranlasste, mich auszulachen und Mister Crabs und Krebsmann zu nennen, und dennoch hat Benny es geschafft, pünktlich zum Spiel zuhause zu sein.

Ein schönes Wochenende.

Sechs Wochen intensive Arbeit auf der Neuro. Das waren fast sechs Wochen durchgehender Frühdienst. Das waren einundzwanzig Tage Arbeit hintereinander, getrennt durch vier freie Tage. Das waren Lehrzeiten auf höchstem Niveau. Und Arbeiten am Menschen in intensivster positiver und negativer Hinsicht.

Seit heute abend ist der erste Arbeitsblock offiziell beendet.

Es fällt mir schwer, in Worte zu fassen, was ich ausdrücken möchte. Die ersten Wochen waren wirklich schwer und schlimm. Die Anforderungen waren beileibe nicht hoch; aber dennoch existierte eine beachtliche Diskrepanz zwischen Soll und Haben im praktischen Arbeiten. Der Umzug der Station führte zu einer weiteren Irritation; zwei Fäkalienräume statt einem zu haben war ein regelrechter Luxus; jetzt mittlerweile Gewohnheit.

Das frühe Aufstehen war, ist und wird weiterhin zum kotzen sein. Kein normaler Mensch ist dazu gemacht, um 4.30 aufzustehen. Soziale Kontakte sind auf ein Minimum reduziert, Nachmittagsnickerchen versucht man, sich weniger spießig zu reden als sie sind, und selbst an freien Tagen darf man es sich nicht leisten, seinen Schlafrhythmus allzusehr zu verändern.

Beachtlich finde ich jedoch die musikalische Entwicklung innerhalb der sechs Wochen: stand die erste Hälfte ausschließlich aus Ambient- und Trance-Kram, so entwickelte sich der Tenor gen zweite Hälfte eher in Richtung Metal.

Praxisblock 13.05.2008 - 29.06.2008

New Order - “Elegia (full version)” vom Album “Low-life”

Chicane - “Saltwater” vom Album “Behind the sun”

Underworld - “Two months off” vom Album “A hundred days off”

Kromlek - “Ode an den Feuergott” vom Album “Kveldridhur”

Joachim Witt - “Jetzt und Ehedem” vom Album “Auf Ewig”

Fazit: Danke für die Station, gut ausgewählt. Danke an das Team, gut angeleitet. Danke an die Patienten, immer schön schwer gemacht. Und danke an die EM-Ich-hupe-bis-nachts-um-zwei-Fans: you´re really true.

Der Gezeiten Lauf einer Nation wird durch allerlei Geschehnisse, Ereignisse, Wendungen, Mauerbauten und -fälle geprägt. Insbesondere aber lebt die Gegenwart (und auch die vergangene) durch das Phänomen, das wir heute als den “Clash of cultures” bezeichnen. Der Zusammenprall mehrerer, manchmal verschiedenster Kulturen sorgte schon immer für gewaltiges Konfliktpotential, jedoch auch wertvolle Bereicherungen der anderen Lebensweise - in technischer, weltanschaulicher oder künstlerischer Hinsicht. Unbezahlbar.

Eine besondere kulturelle Verknüpfung verbindet uns seit vielen Jahrhunderten mit der Türkei. Sie begann im schönen Jahr 1096, als der damalige Papst Urban II (er nannte sich selbstherrlich “Urban Reloaded”) den ersten Kreuzzug ausrief, während dem das Heer der Gläubigen Christen eine Vielzahl türkischer Seldschuken in Konstantinopel, Nicäa und Jerusalem abschlachtete. Die Verluste auf christlicher Seite waren ebenso erheblich.

Einige Jahrhunderte später, als es dem Deutschen Reich vorbestimmt war, für die Folgedekaden dauerhaft gute Schlagzeilen zu liefern, schlug sich das Osmanische Reich auf die Seite des Vierbunds mit Österreich-Ungarn, Bulgarien und dem Deutschen Reich. Anerkanntermaßen ging die Rechnung nicht auf und der Schuss nach hinten los. Kaiser Willem bekam Reparationszahlungen und einen Platz im Exil (sog. “Niederlande”), die Türken mussten weite Gebietsteile abtreten und hatten die Auflage, einen armenischen Staat im Osten des Landes zu errichten. Nur: für wen denn noch?

Die letzten Jahrzehnte waren geprägt von einer wechselpoligen Annäherung und Entfremdung der Kulturen. Freundschaften entstanden, die Städte wurden bunt und abwechslungsreich, neue Möglichkeiten und Probleme taten sich auf und Chancen und Krisen hielten und halten sich dauerhaft die Waage.

Nun steht das Verhältnis vor einer neuen Herausforderung: wie ich der Seite meines Vertrauens (www.quarkspeisenmann.de oder so) entnahm, wird morgen die deutsche gegen die türkische Nationalmannschaft antreten;

Das Aggressionspotential ist enorm. Ich sehe schon die kleinen Flaggen an den Autos brennen, wie Zündschnuren fressen sie sich abwärts.

Der Nervenkitzel erreicht seinen Höhepunkt: 3 zu 1 für irgendwen. Abpfiff. Schlägerei. Beschimpfungen. Heißer schwarzer Kaffee. Adrenalin pur. Angst. Döner. Und dazwischen: Ich werde so lachen!

“You say, you´re from New York…”

“No no no, I work in New York, I´m from Budapest!”

“Oh, Hungary!”

“No, thank you, I had a falafel before I got here.”

Nur eines von vielen genialen Filmzitaten eines leider viel zu früh verstorbenen Talents: vor mittlerweile über 14 Jahren starb der in Toronto geborene John Candy, damals mit gerade 44 Jahren an einem Herzinfarkt. Er begeisterte die Zuschauergemeinde der 80er Jahre mit Auftritten in Filmen wie “Spaceballs”, “Valkanvania”, “Ein Ticket für Zwei” und “Die schrillen Vier auf Achse” und spielte neben Größen wie Chevy Chase, Steve Martin, Demi Moore und Mel Brooks.

Er verkörperte meist den gutmütigen Dappes mit dem alternativen Auftreten und verlieh den Charakteren einen kruden Humor. Seine Filme sind seine Hinterlassenschaft, sein Witz das Erbe.

Repitio in pacem, einem großen Komödianten.

Ein kurzer (nicht mal annähernd seine schauspielerische Bandbreite wiedergebender) Clip aus “Wer ist Harry Crumb?” von 1989:

Wochenend-Spätdienste

Juni 22, 2008

Reden wir nicht lange um den heißen Brei herum: Sie sind zum Kotzen.

Man erscheint um halb zwei mittags, hört sich eine ereignislose Übergabe an, sieht die Frühschichtler abhauen in ihren freien Nachmittag und steht dann vor der Misere: Kaffee austeilen, Windeln - Entschuldigung: Inkontinenzhilfen - wechseln, Tabletten zermörsern und den ahnungslosen Patienten unters Alete mischen, bewegungsunfähige Menschen im Bett von einer zur andren Seite schaukeln (Fachterminus: “lagern”) und überhaupt: Sonntag nachmittags ist auf der Arbeit alles suboptimal.

Das Gute an Wochenend-Nachmittagen sind die Anverwandten der Patienten, die auftauchen, im Wege stehen, Fragen stellen, um Extra Milch für den Kaffee bitten und angeblich versehentlich die Notfallklingeln betätigen (”Hoppla, da hatter Onkel Heinz wohl de Knopp mit de Telefon verwechselt. Öntschuldigung!”)

Gegen 18.oo greifen wir uns dann die Bagage und zwingen sie, ihrem invaliden Verwandten das Brot zu schmieren oder den Brei zu füttern. Die meisten lassen sich darauf ein, wohl darum wissend, dass ihr/e geliebte/r Opa/Oma/Papa/Mama sonst nix von dem bösen Pfleger mit dem rotblonden Zopf bekommen würde.

Ich nenne das System “kollegiale Einbeziehung unter Kooperation von Sippe”, kurz K.E.K.S.

Fuktioniert fabelhaft.

Hallo BesucherIn, heute erzähle ich Dir etwas über ein unterdurchschnittlich großes Land im Südwesten Europas: Portugal. Die Einwohner Portugals, die Portugiesen, bevölkern die weiten Landstriche zwischen Spanien und Mittelmeer und sind dennoch ein eigenständiges Land. Sie haben eine Regierung, deren Chef ein Mann namens Silva ist, und ein Volk, das es knapp über die Zehn Millionen-Grenze geschafft hat. Der Name des Landes lässt sich auseinanderklamüsern in “Portus Cale”, das soviel bedeutet wie “Der Hafen Cale‘s”, einer wichtigen Siedlung an der Küste am Douro zu einer Zeit, als Römer noch in Drachenbooten statt Gondeln fuhren.

Die Hauptstadt nennt sich Lissabon, was aus den Wortbestandteilen soviel bedeutet wie “gutes Klümpchen”. Die Einwohner - sie nennen sich selbst liebevoll Lissabodschianer - arbeiten hauptsächlich im Diensteistungssektor; die Stadt allein stellt über 40 % des Bruttoinlandsproduktes. Exportschlager sind neben fachlich geschultem Personal auch Schuhe, Körperbekleidung und Kork.

Portugal hat eine lange Reihe internationaler Größen hervorgebracht, z.B. den Poeten und Philosophen Fernando Pessoa (”Das Buch der Unruhe”) und wahrscheinlich noch den einen oder anderen mehr.

Eine wichtige, ja unumgängliche Information über dieses “Anhängsel Spaniens” (freie Übersetzung von “República Portuguesa”) wäre wohl noch, dass Miguel de Cervantes 1580 Portugal bereist hatte.

Er war seines Zeichens kein Portugiese. Aber wer kann das schon von sich behaupten?

Fledermäuse. (bald)

vorne: fast ein Portugiese. hinten: Fledermäuse. (bald)

Ich glaube, ich muss hier in diesem Blog wirklich mal ein Machtwort sprechen.

In letzter Zeit bemerke ich eine verstärkte Aktivität in Bezug auf die Besucherzahlen. Scheinbar glaubt eine mittlerweile steigende Zahl an Internet-Nutzern, hier einfach so reinschneien und nach dem rechten schauen zu können; konsequenzlos und ungestraft.

So läuft das hier nicht!

Ich glaube, ich spreche im Namen aller Leser meines Blogs, im Namen des Anbieters des Webspace und auch in meinem eigenen, wenn ich sage: Wir wollen hier keine Massen unterhalten. Traditionellerweise sind wir hier ein Spartenprodukt, entstanden aus einem undefinierbaren Bedürfnis der Mitteilsamkeit, am Leben erhalten aus reinem Trotz und gestaltet für die wenigen Auserwählten, die zu der kulturellen, intellektuellen und moralischen Elite gehören. Wir machen hier kein Unterschichten-Web 2.o und auch keinen lustigen Ringelpietz mit Anfassen.

Um es also mit den Worten des großen Douglas Adams zu sagen: “So long, and thanks for all the fish.”

Angesichts der dahinschreitenden Zeit meines Praxisblocks auf der neurologischen Station hier in Theresmouth halte ich einen neuen Zwischenstand doch für sinnvoll. Selbstverständlich habe ich es nicht auf die Reihe gebracht, Strichlisten über Patientenwaschungen, geleerte Pinkelenten und eingecremte Dekubita zu führen; ich war einfach zu sehr mit der Arbeit an sich beschäftigt.

Hier können nun mehr nur noch Richtwerte angegeben werden:

Arbeitstag 20

Betten bezogen: ca. 50 - 75

Patienten fallen gelassen: 0,75 (einmal wars echt knapp)

Geplatzte Urinbeutel/ tropfende Katheterschläuche/ volle Windeln auf meiner Kleidung: Ø

Patientenwaschungen (GKW, WB, Dusche, etc.): ca. 30

gewechselte Windeln (sog. Schutzhosen/Inkontinenzhilfen/Pampers): ca. 1

Fütterungen: ca. 5

“Verbrauchte”: 1

Bizarre Einblicke: en masse.

Händedesinfektionen: irgendwo zwischen 75 und 150

Mittlerweile bin ich wirklich glücklich auf der Station. Zu dumm, dass ich zum Examen nicht dort aufschlagen kann.