Shadow over Theresmouth X
Juli 13, 2008
Wir sind heute auf dem Weg zum Bahnhof von einem etwa 40-lährigen Punk nach Geld gefragt worden. Sein Iro war ungegeelt, blond und gewellt. Er sah eher aus wie Tante Dörte nach streifenförmigem Haarausfall.
Auf der Brust trug er ein altes Black Sabbath-Sweatshirt und klimperte mit einer Blechdose voll Messing- und Kupfergeld.
“Ey, habt Ihr ein bisschen Geld?” [wir bleiben stehen, ratlos, unentschieden] “Ich brauche echt dringend ein Bier.” [Entscheidung gefallen, man hört Münzenklimpern] “Cool, danke!”
So viel Ehrlichkeit gehört belohnt!
Shadow over Theresmouth IX - Pot War 2oo8 - ?
Juli 9, 2008
Meine hinreissende Mitbewohnerin hat sich scheinbar entschieden, mir den Krieg zu erklären. Nachdem sie sich mittlerweile mehrmals darüber pikiert hat, dass mein Verhalten, die WG sauber zu halten, nicht ihren Standards entspräche, geht sie nun offensichtlich auf Konfrontation.
Nichts gegen saubere Menschen. Sauberkeit ist ein verhältnismäßig wichtiges Element für das zwischenmenschliche Miteinander. Wer will schon neben jemandem in der U-Bahn sitzen, der schwitzt als gäbe es kein morgen? Trifft auf meine volle Zustimmung! Aber alles bitte in Maßen.
Wenn jemand täglich das Geschirr weggespült haben will, habe ich nix dagegen.
Wenn dieser jemand will, dass die WG jeden Tag durchgesaugt wird, weil einmal pro Woche zu selten sei, okay!
Und wenn die gleiche Person es wirklich für nötig sieht, zweimal am Tag zu duschen: von mir aus!
Aber dann doch bitte nicht mich damit belästigen.
Ihrer Aufforderung, ich solle doch immer, wenn ich mein Zimmer sauge, auch gleich Flur und Küche mitsaugen, stimmte ich voll zu. Ihr Blick war entzückend, als ich erwähnte, dass ich bestenfalls zweimal im Monat meine Vier Wände durchsauge.
Heute ist Tag 3 des Zustandes, den ich als Pot War bezeichne; ein ungespülter Nudeltopf steht seit drei Tagen aggressivst auf der Spüle, den sie am Sonntag benutzt hat.
Das Geschirr drum herum wurde ordnungsgemäß von Mitbewohnerin Nr. 3 und mir weggespült; nur besagter Topf steht dort und schimmelt vor sich hin.
“Wir gehen von weiteren Entwicklungen hinsichtlich der Zuspitzung der prekären Lage aus und werden Sie vom Ort des Geschehens auf dem Laufenden halten.”

Shadow over Theresmouth VIII
Juli 3, 2008
Ich habe heute sowohl mich auf- als auch meine Dreckwäsche zusammengerafft und habe uns in die Wäscherei meines Vertrauens geschleppt.
Der Verein wäre für gewisse WG-Mitbewohnerinnen, die täglich waschen müssen, um ihren horrenden Verbrauch an Kleidung zu decken, sicherlich auf Dauer zu teuer - eine Wäschetrommel voll kostet 3 EUR, zwölf Minuten Trockner einen weiteren Euro - aber für Schmutzfinke wie mich, die sich bemühen, nur alle anderthalb bis zwei Wochen eine Maschine voll zu bekommen, reicht es völlig aus.
Die Bedienung ist immer besonders freundlich zu mir. Wahrscheinlich hat sie noch immer nicht vergessen, wie ich sie beim ersten Besuch um eine Einführung in die technischen Mysterien der Bedienung einer Miele gebeten hatte.
Nichtsdestotrotz empfinde ich Waschsalons als etwas unangenehmes, was in der Hasshierarchie der Haushaltstätigkeiten nur noch vom Staubsaugen getoppt wird (dazu vielleicht ein andern Mal mehr). Solche Salons sind laut, es läuft MTV auf einem Fernseher und meist herrscht eine erhöhte Luftfeuchte. Und erst diese merkwürdigen Leute, die da waschen!
Ein älterer Herr in Hemd und schwarzem Anzug, bei dem ich den Eindruck hatte, er kleidet sich auch so zum Brötchen holen und Müll rausbringen.
Eine mittelalte Dame, die mich die volle Zeit, die ich da saß, misstrauisch beäugt hat. Vermutlich hatte sie mein Hinüberschauen zu meiner Wäschetrommel missgedeutet und auf sich bezogen und rechnete damit, dass ich sie jeden Moment hinter die Trockner zerren und vergewaltigen wollte.
Von dem Mittzwanziger mit Rastalook und schmutzigen Boxershorts will ich gar nicht erst anfangen. Vermutlich hat jeder Waschsalon so einen irgendwo rumlaufen.
Wenigstens ist meine Wäsche wieder sauber. Sie riecht nicht hinreissend, sie ist nicht gebügelt und nicht alle Teile sind schon wieder trocken… aber wenigstens habe ich meine zweiwöchentliche Dosis Freakness intus.
Waschsalonwesen… absurde Existenzen, allesamt!
Shadow over Theresmouth VII
Juni 15, 2008
Gestern haben Benny und ich uns einen Kinobesuch im örtlichen Cinestar gegönnt. Nach Aussieben des Kinoprogramms “Sex and the city - Der Film”, “Nie wieder Sex mit der Ex” und “Falco” entschieden wir uns für einen Film, der wenigstens durch seine Macher auffiel: “The Happening”, directed, written & produced by M. Night Shyamalan, wurde es.
Nach geschätzten 120 Minuten (tatsächlich waren es weniger) endete der Film und man fragte sich, ob gerade in den tiefsten Schichten des Unterbewusstseins cineastisch rumsuggeriert wurde oder man einfach nur so völlig unmagisch verarscht worden ist.
Um den Plot ganz grob wiederzugeben: Überall in den USA bringen sich schlagartig große Menschenansammlungen ums Leben. Die Medien wittern terroristische Anschläge in den Großstädten und raten dazu, die Metropolen zu verlassen. Leider beginnen aber auch die Kleinstadt-Bewohner sich nun kollektiv umzubringen. Unser Held, seine beziehungstechnisch etwas behinderte Freundin und ein Kind, dessen Ursprung ich verdrängt habe, laufen also durch die Pennwälder und versuchen, der Katastrophe zu entkommen und nebenbei den Auslöser zu finden.
Ja. Das ist es. Ich hatte so ganz Shyamalan-mäßig noch gehofft, dass zum Schluss geklärt wird, wieso die Akteure so unterdurchschnittlich gut schauspielern, aber leider wurde dies Rätsel nicht gelöst. Und so endete der Film nach zwei Tüten Haribo, einer Flasche Bionade und mit einigen Kinozuschauern weniger als er begonnen hat.
Aber was solls, ich (wir?) hatten unseren Spaß, ich habe einmal mit voller Lautstärke den Raum zugeschrien, als eine besonders gruselige Stelle kam angesichts der miesen schauspielerischen Leistungen.
Danach gab es Pizza und Salat in einer preislich und qualitativ empfehlenswerten Pizzeria an der Ecke Beurhausstraße/Humboldtstraße, musikalische Hintergrunduntermalung ARD Fernsehprogramm “Wo die weißen Alpen sprießen” oder so. Die Italiener habens einfach. Dieses je ne sais quoi.
Shadow over Theresmouth VI
Juni 9, 2008
Wow… viereinhalb Tage so völlig ohne Strom ist schon ein eigenartiges Gefühl.
Donnerstag nachmittag ist bei uns am Sicherungskasten ein Mini-Gau geschehen, als nicht nur eine Sicherung spektakulär herausgesprungen, sondern die Keramikeinfassung auch noch hinterher gekommen war, glühend heiß und nach einigen Berührungen in Kleinstteile zerfallen.
Unser Vermieter ist ( mittlerweile oftmals) bewiesenermaßen ein Arschkeks und schiss mich Freitag nachmittag per Telefon an, wovon denn die WG diesmal wieder ihre anarchischen Grabschefinger nicht habe lassen können und bezichtigte uns, für das Dilemma verantwortlich zu sein. Erfreulicherweise wollte er am Samstag zumindest den E-Mann kommen lassen.
Natürlich verlief der volle Samstag stromlos. Niemand tauchte hier auf. Kein Elektriker, kein Strom, Edisons Geist lebte hier nicht mehr.
Sonntag abend war ich dermaßen verzweifelt, dass ich meine Spätschicht in der Klinik sogar um eine Stunde nach hinten verlängerte, sodass ich erst um 23 Uhr das Krankenhaus verließ…
Wir müssen immer dankbar sein für die gegebenen Dinge.
Ein laufender Kühlschrank soll uns in Entzücken versetzen.
Elektrisches Licht ist beim Duschen ein Traum, wenn man einmal bei Kerze duschen musste.
Vom Radiowecker geweckt zu werden ist symphonisch im Vergleich zum Handy.
Und überhaupt, ist man nicht viel zu undankbar?
Bestimmt morgen wieder.

Shadow over Theresmouth V
Juni 3, 2008
“Lol rofl rotfl hihi muhaha xD tsss!” Ist ein typischer Ausspruch, wenn man jemandem erzählt, dass man seine Karriere als Langstreckenläufer/Jogger in Theresmouth fortführen möchte.
Es ist mir völlig unverständlich, wie manche Menschen auf den Gedanken kommen, auf dem Land könne man besser laufen! Die Argumente, die sie anbringen, sind erbärmlich: keine permanente Gefahr, von einer Taxe erfasst zu werden, Sauerstoff statt Kohlenmonoxid, Natur für das seelische Gleichgewicht, Blumenduft statt Smog… Bagatellen.
Das Ruhrgebiet gilt bekanntlich weithin als unterirdisch hohler Raum; jeder Maulwurfshügel in meiner Nachbarschaft birgt die Gefahr, Migrantenkinder zu verschlucken. Die Stadt beugte dem vor und ließ prophylaktisch die ganze Umgebung zubetonieren.
Ein Vorurteil, das häufig Unwissende teilen ist, dass meine Wohnstadt flach sei wie das Emsland und das Joggen somit kaum Nutzen hätte.
Das kann ich als boshafte Unterstellung abtun; den wenigsten dürfte bekannt sein, dass der bekannte Ausspruch “Rom wurde auf sieben Hügeln erbaut” faktisch auf Dortmund zu beziehen ist: “Dortmund wurde auf sieben Hügeln erbaut.” Eigentlich sogar acht. (wird geprüft)
Rom war nur eine Erfindung von Hollywood. Ließ sich eben besser vermarkten, die Bastarde!
Shadow over Theresmouth IV
Mai 14, 2008
Fakt ist:
“Bella Asia” in der Weißenburger Straße in Dortmund ist wirklich zu empfehlen. Für eine dick belegte Margherita mit starkem Rand 2,50 EUR zu rappen ist anständig.
Dumm nur, wenn der naive Kunde immer dann Pizzahunger bekommt, wenn im Haus nichts mehr zu finden ist - die pelzigen Orangen im Vorratsschrank noch von Weihnachten mal ausgenommen -, und sich dann gleich zwei kauft, obwohl er schon nach einer voll gesättigt ist.
Womit für das Mittagessen für morgen gesorgt ist.
Aber so ist das nunmal. Leben am Limit. Überall und jederzeit.
Shadow over Theresmouth III
Mai 8, 2008
Wenn sich Dämlichkeit und Verwirrtheit paaren und ihr schändlicher Spross ein paar Jahre auf dem Buckel hat, dann kann es schon mal vorkommen: Man bekommt es nicht geregelt, das Haus mit Schlüsseln in der Tasche zu verlassen. Fast immer kann man sich dann auf einen alternativen Nachmittag gefasst machen. Besser noch: Wenn der Schultag schon um 11.15 endet zieht sich die Alternativität sogar auf über sechs Stunden. Heißa!
Aber um dem Thema einen realen Bezug zu geben: Nachdem ich dann in der Buchhandlung merkte, dass ich mich nicht daran erinnern konnte, wie ich heute morgen den Schlüssel eingesteckt habe, und reelle Hosentaschen-Tests meine Befürchtung bestätigten, nutzte ich den Tag so gut es ging und durchforstete Dortmund nach interessanten Dingen.
Mir fiel erstmals auf, wie viele Gebäude in der Innenstadt über Stahldrähte verfügten, die auf allen waagerechten Mauervorsprüngen, Torerweiterungen, Fenstersimsen gen Himmel zeigten. Entsprechend wenig Tauben flätzten sich dort; sie belästigten und bedrängten die Fußgänger auf den Straßen, indem sie sich ihnen systematisch in den Weg stellten. Ich wünschte mir spontan die überirdisch fahrende S-Bahn in der Kampstraße zurück.
Ein Becher Eis mit Früchten und Conflakes im Glas kostet in einem Etablissement mit Blick auf die Reinholdikirche knapp 5 Euro. Im Endeffekt noch erträglich, Eis wie Preis. Die Musik war erschreckend passend; an einem Donnerstag nachmittag ein Jazz Set zu spielen ist mutig und gehört belohnt!
Die nördliche Innenstadt ist wirklich ein Kapitel für sich. Nirgendwo sieht man Leid- und Leitkultur so eng beisammen. Diese ganzen armen Geschöpfe, braungebrannt bis an die Lippen, Sonnenbrillen wie im Ski Alpin, Dolce&Gabbana grüßen die Passanten glitzernd von Ketten und Hemden und an jeden fünften Arm entdeckt man chinesische Schriftzeichen eintätowiert.
Nach kurzem Überlegen weigere ich mich, den Vokuhila zu erwähnen. Sowas muss totgeschwiegen werden.
Wer ist nur verantwortlich für solche Trends?
Schatten über Dortmund… wenn Armani und Calvin Klein nicht farblos wären.
Shadow over Theresmouth II
April 24, 2008
Peinlich, peinlich:
Gestern im Happy Happy Ding Dong (wer denkt sich solche Namen aus?) gewesen und ein Krankenpflegeschülertreffen mit der JVA JAV (Jugendlichen- und Auszubildendenvertretung) gehabt. Relativ strikt die Getränkekarte durchgezogen, begonnen bei “B”ier und irgendwo aufgehört bei “S”hooters… ich habe die alkoholische Playlist nicht mehr völlig auf dem Schirm, aber u.a. gab es mindestens zwei Hövels, zwei Kronen, Sambucca und (unglaublich synthetisch schmeckender) Batida de Coco, tschechischer Absinthe und Ouzo, daneben eine Cola 0,3.
Die Karaoke machte alles noch schlimmer, niemand weiß, wieviele Biere noch auf unseren Tisch kamen, als wir zu “Zombie”, “Wild thing” und “Losing my religion” grunzten.
Der absolute Tiefpunkt war erreicht, als Peter (der die Rechnung übernehmen wollte) - gut angefüllt und völlig verpeilt - ins Auto seiner Mutter stieg, die draußen wartete, während ich auf Toilette war. Die Rechnung blieb offen und fünf Minuten später stand auch ich auf der Straße und machte mich unwissend um die Umstände vom Acker.
Heute war ich da und beglich die Rechnung, gutes Trinkgeld obenauf, weil ich weder zusammengeschlagen noch in die Kühlkammer gesperrt worden bin.
Zechprellen ist vielleicht gut für die Leber, aber anständig ist es nicht.
Shadow over Theresmouth I
April 16, 2008
Tag 47 in Dortmund.
Einkaufen gewesen.
Mir entgegen kommt eine Hundebesitzerin, deren Dackel gegen eine Häuserecke pinkelt. Ich gehe an ihnen vorbei und bereite mich auf den Gestank der Duftmarke vor.
Überraschenderweise roch ich nur die Frau.
Dazu musikalisch:
Walpurgisnacht von Schandmaul.