Shadow over Theresmouth XIV – Bahnhofs- und Straßenbewohner
August 25, 2008
Dortmund ist so dermaßen voll von kaputten Menschen, manchmal bin ich froh, dass ich mich immernoch so normal gehalten habe.
Heute war ich nach der Schule am Bahnhof, um mich nach der günstigsten Reise gen Hamburg zu erkundigen. Der Herr am Schalter war einer der sieben Bahnangestellten deutschlandweit, denen ihre Arbeit Spaß macht und beriet mich humorvoll und kompetent.
Das Angebot war schon relativ günstig, angesichts dessen, dass ich nicht auf die 1. Klasse verzichten wollte; 150 Euro für zwo Personen für Hin- und Rückreise zusammen. Dennoch war eine SMS an Benny unerlässlich.
Ich setzte mich auf die Bank zwischen Zeitungsgeschäft und Bahnservice, auf der grundsätzlich links ein Obdachloser und rechts ein Schwachmat mit blondgefärbten Haaren und rosa D&G-Shirt sitzt, der Platz in der Mitte ist meist frei.
Ich nahm Platz und schrieb die SMS, die recht viel Zeit in Anspruch nahm. Der Kerl rechts von mir – etwa 45 Jahre, Oettinger in der Hand, ältere Klamotten, stark gerötetes Gesicht, holte nach etwa 5 Minuten sein Handy heraus und spielte die Klingeltöne durch! An und für sich brauchts seine Zeit, um mich aus der Fassung zu bringen, aber der Kerl hats geschafft, als er den zweiten Durchgang begann. Ich war inzwischen mit meiner Kurzmitteilung fertig und stand auf, ein “Himmels willen” vor mit her murmelnd.
Da fängt der Kerl an, seine Stimme zu erheben, ich solle doch abhauen, wenns mir nicht passte. Genau das tat ich – wie er sicherlich bemerkt hatte – und verließ das Gebäude, die panische Furcht im Nacken, gleich von einem Oettinger-getränktem Kerlchen angefallen und in die Stirn gebissen zu werden.
Auf dem Rückweg kaufte ich noch ein leckeres Brot für 2,65 EUR ( Bäcker irgendwo in der Kampstraße – dürftig, aber billig) und machte mich auf, den Kampf in meiner Emanzen-WG fortzuführen.
Auf Höhe von Karstadt kam ich an einer älteren Dame obdachloser Herkunft vorbei. Sie hockte – typisch – und vor ihr der Becher – Standard -, über ihren Knien ein Schild aus Pappe, auf dem geschrieben stand “Ich habe hunger”.
Meine sarkastische Ader trat hervor und ich konnte gerade noch an mich halten, um nicht hervorzubringen “Na dann iss doch was!”
In diesem Sinne, liebe hungernde Gemeinschaft: Wenn es Euch schlecht geht:
1. DSL kündigen
2. Oettinger in rabattfähigen Mengen kaufen
und drittens:

in ehrfürchtiger Huldigung dem einzig wahren Satire-Magazin