Der Gezeiten Lauf einer Nation wird durch allerlei Geschehnisse, Ereignisse, Wendungen, Mauerbauten und -fälle geprägt. Insbesondere aber lebt die Gegenwart (und auch die vergangene) durch das Phänomen, das wir heute als den “Clash of cultures” bezeichnen. Der Zusammenprall mehrerer, manchmal verschiedenster Kulturen sorgte schon immer für gewaltiges Konfliktpotential, jedoch auch wertvolle Bereicherungen der anderen Lebensweise – in technischer, weltanschaulicher oder künstlerischer Hinsicht. Unbezahlbar.

Eine besondere kulturelle Verknüpfung verbindet uns seit vielen Jahrhunderten mit der Türkei. Sie begann im schönen Jahr 1096, als der damalige Papst Urban II (er nannte sich selbstherrlich “Urban Reloaded”) den ersten Kreuzzug ausrief, während dem das Heer der Gläubigen Christen eine Vielzahl türkischer Seldschuken in Konstantinopel, Nicäa und Jerusalem abschlachtete. Die Verluste auf christlicher Seite waren ebenso erheblich.

Einige Jahrhunderte später, als es dem Deutschen Reich vorbestimmt war, für die Folgedekaden dauerhaft gute Schlagzeilen zu liefern, schlug sich das Osmanische Reich auf die Seite des Vierbunds mit Österreich-Ungarn, Bulgarien und dem Deutschen Reich. Anerkanntermaßen ging die Rechnung nicht auf und der Schuss nach hinten los. Kaiser Willem bekam Reparationszahlungen und einen Platz im Exil (sog. “Niederlande”), die Türken mussten weite Gebietsteile abtreten und hatten die Auflage, einen armenischen Staat im Osten des Landes zu errichten. Nur: für wen denn noch?

Die letzten Jahrzehnte waren geprägt von einer wechselpoligen Annäherung und Entfremdung der Kulturen. Freundschaften entstanden, die Städte wurden bunt und abwechslungsreich, neue Möglichkeiten und Probleme taten sich auf und Chancen und Krisen hielten und halten sich dauerhaft die Waage.

Nun steht das Verhältnis vor einer neuen Herausforderung: wie ich der Seite meines Vertrauens (www.quarkspeisenmann.de oder so) entnahm, wird morgen die deutsche gegen die türkische Nationalmannschaft antreten;

Das Aggressionspotential ist enorm. Ich sehe schon die kleinen Flaggen an den Autos brennen, wie Zündschnuren fressen sie sich abwärts.

Der Nervenkitzel erreicht seinen Höhepunkt: 3 zu 1 für irgendwen. Abpfiff. Schlägerei. Beschimpfungen. Heißer schwarzer Kaffee. Adrenalin pur. Angst. Döner. Und dazwischen: Ich werde so lachen!

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