Wenn sich Dämlichkeit und Verwirrtheit paaren und ihr schändlicher Spross ein paar Jahre auf dem Buckel hat, dann kann es schon mal vorkommen: Man bekommt es nicht geregelt, das Haus mit Schlüsseln in der Tasche zu verlassen. Fast immer kann man sich dann auf einen alternativen Nachmittag gefasst machen. Besser noch: Wenn der Schultag schon um 11.15 endet zieht sich die Alternativität sogar auf über sechs Stunden. Heißa!

Aber um dem Thema einen realen Bezug zu geben: Nachdem ich dann in der Buchhandlung merkte, dass ich mich nicht daran erinnern konnte, wie ich heute morgen den Schlüssel eingesteckt habe, und reelle Hosentaschen-Tests meine Befürchtung bestätigten, nutzte ich den Tag so gut es ging und durchforstete Dortmund nach interessanten Dingen.

Mir fiel erstmals auf, wie viele Gebäude in der Innenstadt über Stahldrähte verfügten, die auf allen waagerechten Mauervorsprüngen, Torerweiterungen, Fenstersimsen gen Himmel zeigten. Entsprechend wenig Tauben flätzten sich dort; sie belästigten und bedrängten die Fußgänger auf den Straßen, indem sie sich ihnen systematisch in den Weg stellten. Ich wünschte mir spontan die überirdisch fahrende S-Bahn in der Kampstraße zurück.

Ein Becher Eis mit Früchten und Conflakes im Glas kostet in einem Etablissement mit Blick auf die Reinholdikirche knapp 5 Euro. Im Endeffekt noch erträglich, Eis wie Preis. Die Musik war erschreckend passend; an einem Donnerstag nachmittag ein Jazz Set zu spielen ist mutig und gehört belohnt!

Die nördliche Innenstadt ist wirklich ein Kapitel für sich. Nirgendwo sieht man Leid- und Leitkultur so eng beisammen. Diese ganzen armen Geschöpfe, braungebrannt bis an die Lippen, Sonnenbrillen wie im Ski Alpin, Dolce&Gabbana grüßen die Passanten glitzernd von Ketten und Hemden und an jeden fünften Arm entdeckt man chinesische Schriftzeichen eintätowiert.
Nach kurzem Überlegen weigere ich mich, den Vokuhila zu erwähnen. Sowas muss totgeschwiegen werden.
Wer ist nur verantwortlich für solche Trends?

Schatten über Dortmund… wenn Armani und Calvin Klein nicht farblos wären.

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