Neues aus der Neuro

Mai 17, 2008

Ein kurzer Zwischenstand:

Arbeitstag 3
Betten neu bezogen: ca. 15
Patienten fallen gelassen: Ø
Geplatzte Urinbeutel/ tropfende Katheterschläuche/ volle Windeln auf meiner Kleidung: Ø
Patientenwaschungen (GKW, WB, Dsuche, etc.): 2/Ø/Ø
gewechselte Windeln (sog. Schutzhosen/ Inkontinenzhilfen/Pampers): 1
Fütterungen: 1/2
“Verbrauchte”: 1 (noch)
Bizarre Einblicke: 3

Fazit: Die Menge der Händesdesinfektionen nimmt proportional zu der aufgetragenen Arbeit stetig zu.

Da hat man nichts böses im Sinne und möchte bloß seine emails durchschauen und plötzlich muss man feststellen, dass das Portal einen neuen Weg gefunden hat, um einen intellektuell zu vergewaltigen (aka “nur mit Scheiße zu bombardieren”):

Ich meine, ich bin tolerant genug, um solchen TV - Shows die Existenz zu erlauben. Und okay, vielleicht gibt es irgendwo im hintersten Erzgebirge das echte wahre Superstar - Talent, das es zu den letzten neunzehn Staffeln DSDS einfach nicht geschafft hat.

Zähneknirschend ertrage ich es auch, dass enge Familienangehörige dieses Format anschauen und (mindestens in einem Fall) sogar da angerufen haben, um so einen Kretin mit ihrer Stimme zu unterstützen.

Ich bin auch nicht einer von denen, die Hassbriefe schreiben, nur weil mein Provider glaubt, dass mir solche News nicht am Arsche vorbei gingen.

Aber dann von einem “Rock-König” zu schreiben, das bringt doch das stärkste Rohr zum Platzen! Fühlen sich diese armen Kandidaten nicht selbst verarscht, wenn sie nominell mit Musikern verglichen werden, die einen Karrierepfad beschritten, der nicht von Jurymitgliedern, Telefonanrufen und Daniel Küblböck gepflastert war?

Nur mal so als Memo: Rolling stones, Beatles, AC/DC, Sex Pistols, Pink Floyd, Queen, Ramones, The Clash, Kurt Cobain und viele viele andere.

Aber so ist das… wenn Deutschland sucht, melden sich nur die Beschissensten.

Fakt ist:

“Bella Asia” in der Weißenburger Straße in Dortmund ist wirklich zu empfehlen. Für eine dick belegte Margherita mit starkem Rand 2,50 EUR zu rappen ist anständig.
Dumm nur, wenn der naive Kunde immer dann Pizzahunger bekommt, wenn im Haus nichts mehr zu finden ist - die pelzigen Orangen im Vorratsschrank noch von Weihnachten mal ausgenommen -, und sich dann gleich zwei kauft, obwohl er schon nach einer voll gesättigt ist.
Womit für das Mittagessen für morgen gesorgt ist.

Aber so ist das nunmal. Leben am Limit. Überall und jederzeit.

Neuro ist Hardcore.

Mai 13, 2008

Ein paar Statements zum heutigen ersten Tag auf Station:

# Das Radioprogramm aus meinem Wecker ist um 04:45 ziemlich mittelmäßig.
# Um 04:46 scheint keine Sonne.
# Kaffee schwarz ist das einzige, was den Morgen erträglich macht.

Ein paar Zitate des heutigen Tages:

# “Du bist der Neue?”
# “Weißt Du schon, wo das EEG ist?” - “Nein.”
# “Was meinen Sie, ist das nekrotisch oder nur Schorf?” - “Keine Ahnung, wären wir in der Chirurgie, schnippelten wir schon dran rum.”

Bilanz:
Betten neu bezogen: 6
Patienten fallen gelassen: Ø
Geplatzte Urinbeutel/ tropfende Katheterschläuche/ volle Windeln auf meiner Kleidung: Ø
Patientenwaschungen (GKW, WB, Dsuche, etc.): Ø
“Verbrauchte”: 1
Bizarre Einblicke: 1

Sagen wir, wie es ist: Neurologie ist Hardcore.

Montag, 12.05.

Ab Dienstag wird die kommenden Wochen lang immer um 4.45 aufgestanden. Scheiße!

Da müsst man sich aus Groll erstmal übergeben, aus reinster Opposition… aber schlechter Geschmack im Mund ist möglicherweise noch mieser.

21:45: Gute Nacht. Scheiße!

Wenn sich Dämlichkeit und Verwirrtheit paaren und ihr schändlicher Spross ein paar Jahre auf dem Buckel hat, dann kann es schon mal vorkommen: Man bekommt es nicht geregelt, das Haus mit Schlüsseln in der Tasche zu verlassen. Fast immer kann man sich dann auf einen alternativen Nachmittag gefasst machen. Besser noch: Wenn der Schultag schon um 11.15 endet zieht sich die Alternativität sogar auf über sechs Stunden. Heißa!

Aber um dem Thema einen realen Bezug zu geben: Nachdem ich dann in der Buchhandlung merkte, dass ich mich nicht daran erinnern konnte, wie ich heute morgen den Schlüssel eingesteckt habe, und reelle Hosentaschen-Tests meine Befürchtung bestätigten, nutzte ich den Tag so gut es ging und durchforstete Dortmund nach interessanten Dingen.

Mir fiel erstmals auf, wie viele Gebäude in der Innenstadt über Stahldrähte verfügten, die auf allen waagerechten Mauervorsprüngen, Torerweiterungen, Fenstersimsen gen Himmel zeigten. Entsprechend wenig Tauben flätzten sich dort; sie belästigten und bedrängten die Fußgänger auf den Straßen, indem sie sich ihnen systematisch in den Weg stellten. Ich wünschte mir spontan die überirdisch fahrende S-Bahn in der Kampstraße zurück.

Ein Becher Eis mit Früchten und Conflakes im Glas kostet in einem Etablissement mit Blick auf die Reinholdikirche knapp 5 Euro. Im Endeffekt noch erträglich, Eis wie Preis. Die Musik war erschreckend passend; an einem Donnerstag nachmittag ein Jazz Set zu spielen ist mutig und gehört belohnt!

Die nördliche Innenstadt ist wirklich ein Kapitel für sich. Nirgendwo sieht man Leid- und Leitkultur so eng beisammen. Diese ganzen armen Geschöpfe, braungebrannt bis an die Lippen, Sonnenbrillen wie im Ski Alpin, Dolce&Gabbana grüßen die Passanten glitzernd von Ketten und Hemden und an jeden fünften Arm entdeckt man chinesische Schriftzeichen eintätowiert.
Nach kurzem Überlegen weigere ich mich, den Vokuhila zu erwähnen. Sowas muss totgeschwiegen werden.
Wer ist nur verantwortlich für solche Trends?

Schatten über Dortmund… wenn Armani und Calvin Klein nicht farblos wären.

An dieser Stelle soll Dingen gehuldigt werden, die unsere Zeit geprägt haben wie wenig anderes: Fanprojekte, Flashanimationen einzelner meist unbekannt gebliebener Menschen im Raum der Zeit, Neusynchros, alles mal zusammengefasst unter “Internetphänomene” (ich weiß wie unzureichend der Begriff an sich ist; einiges entstand vor der dem Siegeszug des Internets).

In diesem Sinne kommt hier hin und wieder eine Gedächtnisstütze für die großen Momente der Menschheitsgeschichte; die Dinge, die Kultstatus erreicht haben und mit jedem Anschauen größer zu werden scheinen.

Den Anfang macht “SiW - Sinnlos im Weltraum”, ein Meilenstein, und die erste Neusynchronisation, die größeren Bekanntheitsstatus erreicht hat. Mit legendären Sprüchen „Ich hab’ mir neulich ‘n Pfund Butter im Aldi für 2,95 Mark gekauft, und ich war begeistert, es hat so gut geschmeckt!“ und neuen Erkenntnissen und Offenbarungen hat es schon vor der Jahrtausendwende Kultstatus entwickelt.

Hier ein besonders wahrer Ausschnitt

Hoch soll die Leber!

Mai 4, 2008

Wie versprochen hier nun ein Eintrag Dir zu Ehren, Svenja ;)

Wir wissen beide, dass es kein Ersatz für mein Anwesendsein ist; und das soll es auch nicht sein. Das wird nachgeholt! Immerhin liegt das Präsent bereit und ich weigere mich, es dir “postalisch” zukommen zu lassen (wie Peter es wohl vorhat).
In diesem Sinne, einen wunderschönen Restgeburtstag, was bestimmt durchs Reinfeiern und das anschließende traumhafte Wetter bei Euch im Kuhkaff nicht allzu schwer geworden sein dürfte.

Wir sehen uns!

Aus Gründen der Nonkonformität hier statt des Bildes eines Geburtstagskuchens das einer Geburtstagsleber. Dir nur das Beste!

Rei(n) in den Mai!

Mai 1, 2008

An meinen Turnschuhen klebt ein komisches rötlich schimmerndes Zeug, meine Haare stinken nach Qualm und der direkt aus dem Fass gesoffene Rotwein sorgt dafür, dass mein T-shirt pflichtbewusst an der Brust klebt.

Über Walpurgisnacht hat sich eine kleine Gruppe äußerst angenehmer Menschen zusammengefunden, um den Abend zu zelebrieren und den Mai willkommen zu heißen. Mit dabei waren eine beachtliche Menge fleischlicher Waren, Spirituosen Prädikate “Besonders wertvoll” bis “Pennerwein ausm Schlauch” und zwei Hunde.

Das Wetter hielt den Ansprüchen stand, das Zelt wurde nicht benötigt, geschlafen wurde unterm weitem Himmelszelt und die grandiose Landschaft des Extertals beeindruckt einfach durch sich selbst.

Memo für 2oo9: Schweinekopf und Ziegenblut mitnehmen; nicht in Herford aussteigen; Würstchen nach 30 Minuten wenden, Maiskolben nach 20

Goethe´s not dead.

April 27, 2008

Endlich wieder neues nutzloses Wissen, dass man in der Bahn seinem Sitznachbarn erzählen kann:

Das Goethe-Institut hat im Rahmen eines Wettbewerbs die “besten eingewanderten Worte” gekürt. Aus über 3.500 Einsendungen mitsamt schmuckvoller Formulierungen wurden die wertvollsten Bereicherungen der deutschen Sprache ermittelt. Stolz präsentiert sich:

Platz 1: “Tollpatsch”, dem ungarischen “Talpas” entlehnt, der Bezeichnung von Fußsoldaten im 17. Jahrhundert. “Breitfüßig, schwerfällig“ war die Bedeutung dieses Spitznamens (ung. Talp = Sohle, Fuß).“ (Zitat sueddeutsche.de).

Platz 2: “Currywurst”, eine Kernschmelze deutscher und tamillischer Worte (dürftig, meiner Meinung nach) und

Platz 3: “Engel” aus dem Griechischen. (Da wars dann wohl vorbei.)

Also los, gleich morgen früh ein Tagesticket ziehen und Sitznachbarn belästigen. Kommt immerhin vom Goethe-Institut!

Quelle: http://www.sueddeutsche.de/kultur/artikel/873/171371/